Maßnahmen der Entbürokratisierung

Vorbemerkung: Die hier gelisteten Bürokratieabbaumaßnahmen beziehen sich in erster Linie auf staatliche Bürokratie. In Unternehmen sind nur einige dieser Maßnahmen anwendbar. Zum Komplex der von unternehmen selbst gemachten Bürokratie (DIY-Bürokratie) folgt ein gesonderter Beitrag.

Wie können wir überbordende Bürokratie wieder loswerden? Diese Frage stellt sich im Jahr 2026 dringender denn je zuvor. Vor allem aus zwei Gründen: Die Bürokratie hat ein Ausmaß erreicht, das vielen Unternehmen hohe Kosten zu deren Bewältigung auferlegt und die Rezession macht es Unternehmen immer schwerer, diese Kosten überhaupt noch zu tragen.

Und Spaß macht dies alles schon lange nicht mehr.

Was also tun?

Zum Abbau von Bürokratie – manche nennen es Entbürokratisierung – wurden in der Vergangenheit viele ganz unterschiedliche Ansätze empfohlen. Wenn man sich die einschlägigen Publikationen des Normenkontrollrats oder zum Beispiel des wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium ansieht, lässt sich leicht feststellen, dass Maßnahmen seit vielen Jahren bekannt sind und in bester Regelmäßigkeit geeignet kommuniziert werden. Wir wissen also, wie wir überflüssige bürokratische Regelungen wieder loswerden – grundsätzlich.

Ganz unabhängig davon ist die Frage, ob und in welcher Intensität, auch mit welchem Nachdruck und mit welcher Motivation (oder Emotion) wir diese Maßnahmen ergreifen und ausführen. Hierbei gibt es erheblichen Nachholbedarf. Es ist aber auch nicht so, dass die Maßnahmen allesamt ignoriert werden oder sich als unwirksam erweisen. Ganz im Gegenteil. Wir können dem einen oder anderen Glanzlicht des Bürokratieabbaus beim Funktionieren zusehen.

Nur wird viel zu wenig davon in Angriff genommen und das Hauptproblem besteht darin, dass „von oben“ immer weitere Regelungen dazukommen. Kurz gesagt: So viel Bürokratieabbaumaßnahmen können gar nicht ergriffen werden, als an anderer Stelle Bürokratie neu hinzukommt.

Die Schlussfolgerung: Neben eine konsequentere Verfolgung von Maßnahmen zum Bürokratieabbau muss eine intensive Beschäftigung mit den Ursachen für Bürokratieaufbau treten. Arbeit auf vielen Ebenen der Gesellschaft sind dafür notwendig und jeder Einzelne ist aufgefordert, seinen Teil dazu beizutragen: Gesetzgeber, Behörden, Unternehmen und Privatpersonen.

Es erscheint lohnend, die gesellschaftlichen Sphären Staat und Private getrennt voneinander zu betrachten. Zwar lassen sich mitunter übereinstimmende Ursachen für den Aufbau von Bürokratie in beiden Bereichen finden, aber die Abbaumaßnahmen unterscheiden sich in vielen Punkten. Wir greifen konkrete Maßnahmen und Empfehlungen für Unternehmen daher in einem gesonderten Beitrag auf und fokussieren an dieser Stelle die Frage, was der Staat tun kann.

Eine nicht abschließende Aufzählung staatlicher Bürokratieabbaumaßnahmen – aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen – zeigt nachfolgendes „Wimmelbild“. Es soll nur die Vielfalt der Vorschläge zeigen – lesbar ist es kaum. Wir geben daher nachfolgend zu allen Maßnahmen eine Kurzdarstellung.

Wimmelbild Bürokratieabbaumaßnahmen
Wimmelbild Bürokratieabbaumaßnahmen

Personal

Weniger Juristen in Gesetzgebung und Verwaltung

Eine geringere Zahl juristisch geprägter Rollen kann dazu beitragen, Regulierungen pragmatischer und weniger formalistisch zu gestalten. Juristische Detailtiefe führt oft zu komplexen Normen, die zusätzliche Bürokratie erzeugen. Mit einer breiteren fachlichen Zusammensetzung entsteht ein stärkerer Fokus auf Umsetzbarkeit und Effizienz.

Weniger Juristen im Management

In leitenden Funktionen sind strategische und organisatorische Kompetenzen entscheidend, die über das juristische Denken hinausgehen. Ein geringerer juristischer Anteil in Führungsrollen kann Entscheidungsprozesse vereinfachen und pragmatischer gestalten. Dadurch werden unnötige Detailprüfungen reduziert und schnellere Entscheidungen ermöglicht.

Mehr Managementkompetenz und -kultur in der Verwaltung

Eine professionellere Managementkultur fördert Verantwortung, klare Zuständigkeiten und effiziente Abläufe. Wenn Führungskräfte stärker auf Zielerreichung statt auf formale Richtigkeit achten, sinkt der Anreiz zur Überregulierung. Das stärkt Mut zu Entscheidungen und verringert interne Abstimmungsschleifen.

Umstellung interner Leistungsmessung auf Ergebnisorientierung (KPI)

Ergebnisorientierte Kennzahlen lenken den Fokus auf Wirkung statt übergenauer Regelbefolgung. Das vermindert bürokratische Aktivitäten, die nur der Dokumentation dienen. Zudem entsteht Transparenz darüber, welche Maßnahmen tatsächlich Nutzen erzeugen.

Kultur

Verzicht auf Bestrafung bei Fehlentscheidungen

Wenn Mitarbeiter keine Sanktionen für gut begründete Entscheidungen befürchten müssen, sinkt die Tendenz zur Überregulierung und Absicherung. Eine angstfreie Kultur fördert Mut zur pragmatischen Lösung. Dadurch wird unnötiger bürokratischer Aufwand reduziert, der nur der Risikoabsicherung dient.

Konstruktive Fehlerkultur

Eine konstruktive Fehlerkultur betrachtet Fehlentwicklungen als Lernchancen statt als Versagen. Das reduziert Kontroll- und Dokumentationspflichten, die nur der Fehlervermeidung dienen. Mitarbeiter können schneller, kreativer, effizienter und letztlich auch effektiver handeln, weil weniger Angst vor Konsequenzen besteht.

Verantwortungskultur

Eine Verantwortungskultur stärkt eigenständige Entscheidungen und vermeidet übermäßige Eskalationen nach oben. Wenn klar ist, dass gut begründete Entscheidungen Bestand haben, sinkt der Bedarf an juristischen Rückversicherungen.

Begründete Entscheidungen von Beamten sollen Bestand haben

Wenn nachvollziehbar begründete Entscheidungen nicht nachträglich sanktioniert werden, entfällt der Zwang zu überdetaillierten Regelungen – auch in der Umsetzung. Dies führt zu mutigeren Entscheidungen, die ohne übermäßige Dokumentation getroffen werden können. Damit wird die Verwaltung handlungsfähiger und entlastet.

Risikomanagement: Absenkung von Schutzstandards bei geringem Risiko

Dort, wo Risiken unwahrscheinlich oder gering sind, können niedrigere Schutzstandards erhebliche Bürokratie einsparen. Jede Regulierung sollte proportional zur tatsächlichen Gefahr sein. Durch angemessene Abwägung entfällt umfangreiche Prüf- und Dokumentationsbürokratie. Man sollte sich immer klar machen: eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben und jegliche Annäherung geht mit immer gravierenderen Nebenwirkungen und Kosten einher..

Marktliche Regelungen (z. B. CO₂-Preis)

Marktmechanismen können effizienter wirken als detaillierte Vorschriften. Sie reduzieren die Notwendigkeit staatlicher Kontrollbürokratie. Unternehmen erhalten Handlungsspielräume, um selbst kosteneffiziente Lösungen zu finden.

Verzicht auf sozialistische Planwirtschaft

Weniger staatliche Detailsteuerung bedeutet mehr Freiheit für eigenständige Entscheidungen von Bürgern und der Wirtschaft. Der Wettbewerb fördert effiziente Lösungen ohne zusätzliche Regulierung. Sozialistische Zentralplaner behaupten lediglich, alles besser zu wissen.

Verzicht auf staatliche Kontrollen – Vertrauen in die Bürger

Ein höheres Grundvertrauen verringert Kontroll- und Nachweispflichten. Bürger und Unternehmen müssen weniger Formulare, Nachweise und Prüfungen durchlaufen. Dadurch sinkt auch der Aufwand für die Verwaltung deutlich.

Pragmatismus

Großzügige Pauschalierung statt Einzelfallregelungen

Pauschalregelungen vereinfachen Verfahren erheblich, weil individuelle Prüfungen entfallen. Das reduziert Verwaltungsaufwand und schafft Klarheit für alle Beteiligten. Ein einheitlicher Rahmen senkt die Dokumentationslast. Im Zweifel werden mit Pauschalierungen gerechtere Lösungen erzielt als mit der detaillierten Regelung seltener Einzelfälle oder von Ausnahmen.

Bagatellregelungen (De-minimis)

Kleinbeträge oder geringfügige Vorgänge sollten von formalen Verfahren ausgenommen werden. Dies verhindert, dass Aufwand und Nutzen in einem Missverhältnis stehen. Die Verwaltung kann Ressourcen auf wirklich relevante Fälle konzentrieren.

Genehmigungsfiktion

Wenn Genehmigungen nach Ablauf einer Frist automatisch gelten, beschleunigt das Verfahren und entlastet Behörden. Antragsteller müssen nicht auf lange Bearbeitungszeiten warten. Gleichzeitig steigt der Druck auf Behörden, fristgerecht zu prüfen.

Positiv-/Negativ-Listen

Klare Listen ersetzen komplexe Einzelfallprüfungen durch transparente Kategorien. Unternehmen wissen sofort, ob etwas erlaubt oder verboten ist. Das reduziert Interpretationsspielräume und verkürzt Verfahren. Beispiel: Bestimmte Herkunftsländer von Produkten oder Dienstleistungen oder Lieferanten bzw. Auftragnehmer, die Gütekriterien nicht erfüllen, sind per Negativliste ausgeschlossen. Alle anderen gelten als unproblematisch und Unternehmen können sie ohne weitere Prüfungsbürokratie beauftragen.

Vereinheitlichung

Einheitliche Regeln, Formulare und Verfahren verringern Doppelstrukturen. Menschen und Unternehmen müssen sich nicht ständig auf neue Vorgaben einstellen.

Differenzierung nach Unternehmensgrößen (Triage)

Kleinere Unternehmen sollten geringere Pflichten haben als große. Dadurch wird Bürokratie proportional zur Leistungsfähigkeit gestaltet. Das vermeidet Überforderung und erhöht Akzeptanz. Wenn kleine Unternehmen nicht im Übermaß von Bürokratie belastet werden, erhöht sich die gesellschaftliche Neigung zur Unternehmensgründung.

Moratorium

Regulierungspausen geben Verwaltung und Wirtschaft Zeit zur Anpassung. Sie stoppen den stetigen Anstieg neuer Pflichten. Dadurch kann bestehende Bürokratie abgebaut werden. Beispiel: Statistik-Moratorium in Bayern.

Förderprogramme abschaffen & Mittel pauschal verteilen

Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit von Forschern entfällt auf die Erstellung von Anträgen auf Forschungsgelder. Weniger Förderrichtlinien bedeutet weniger Anträge und Prüfungen. Pauschale Verteilung spart erheblichen Verwaltungsaufwand. Die freiwerdenden Ressourcen können produktiver eingesetzt werden. Im Ergebnis ist die Allokation der Mittel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schlechter als bisher.

Politik

Verzicht auf unnötig komplizierte Regelungen

Komplizierte Gesetze erzeugen hohen Auslegungs- und Dokumentationsaufwand. Einfachere Regeln fördern Transparenz und erleichtern Umsetzung.

Verzicht auf Alibi-Gesetze

Alibi-Gesetze verfehlen den vorgeblichen Regelungszweck sehr deutlich. Sie haben keinen praktischen Effekt und schaffen nur Bürokratie. Der Fokus sollte auf wirksamen Lösungen liegen. So bleibt die Gesetzgebung schlank und zielgerichtet. Politiker und Parteien glauben aber, mit Alibi-Gesetzen Wählerstimmen gewinnen zu können. Die Neigung zu Alibi-Gesetzen ist ein wesentlicher Bürokratiefaktor. Verursacher sollten diese Neigung ablegen. Ein probates Mittel könnte sein, Alibi-Gesetze beim politischen Gegner vehement zu kritisieren – was voraussetzt, selbst auf dieses Mittel zu verzichten.

Abwägung von Kosten und Nutzen

Regulierungen müssen einen klaren Mehrwert gegenüber ihrem Aufwand haben. Ein systematischer Kosten-Nutzen-Abgleich verhindert überzogene Vorgaben. Dadurch entsteht effiziente und verhältnismäßige Gesetzgebung.

Suche nach günstigeren Alternativen

Bevor neue Vorschriften erlassen werden, sollten Alternativen geprüft werden. Oft existieren weniger bürokratische Wege zum gleichen Ziel. Das fördert Innovation und senkt Regulierungsintensität.

Verzicht auf staatliches Mikromanagement

Detailsteuerung belastet Verwaltung und Unternehmen massiv. Mehr Handlungsspielräume reduzieren Berichtspflichten und manuelle Kontrollen. So entstehen effizientere Prozesse.

Evaluation – evidenzbasierte Politikgestaltung

Regeln sollten regelmäßig auf Wirksamkeit überprüft werden. Datengestützte Evaluation verhindert dauerhafte ineffektive Vorschriften. Fehlende Wirkung wird früh erkannt und korrigiert.

Regelgebundene Rechtssetzung & 1-in-1-out

Klare Regeln für die Gesetzgebung verhindern unkontrolliertes Wachstum von Vorschriften. Mit dem 1-in-1-out-Prinzip wird jede neue Regel durch Abschaffung einer alten kompensiert.

EU

Deutlichere Einwirkung auf EU-Gesetzgebung

Ohne eigene Steuerquelle ist die EU-Kommission zur produktiven Gesetzgebungsmaschine geworden. Dem muss endlich deutlich Einhalt geboten werden. Qualität geht vor Quantität. Nationale Regierungen sollten daher frühzeitig Einfluss auf EU-Richtlinien nehmen. Dadurch werden überflüssige Bürokratievorgaben vermieden, bevor sie verbindlich werden. Eine aktive Rolle spart späteren Anpassungs- und Verwaltungsaufwand.

No Gold Plating

Beim nationalen Umsetzen europäischer Vorgaben sollten keine zusätzlichen Anforderungen eingeführt werden. Jeder Zusatz erhöht Bürokratie und erschwert Einhaltung. Das konsequente Vermeiden von Gold Plating hält Regulierungen schlank und vermeidet Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Ländern.

Digitalisierung

Digitalisierung – aber mit Fokus auf echten Bürokratieabbau

Digitalisierung allein senkt Bürokratie nicht automatisch. Erst wenn Prozesse neu gedacht werden, entsteht spürbare Entlastung. Studien zeigen, dass der Effekt echter Vereinfachung doppelt so groß ist wie reine Digitalisierung.

Digital-Check

Jede neue Regelung sollte auf digitale Umsetzbarkeit geprüft werden. Das verhindert analoge Prozesse im digitalen Gewand. Mit dem alten Formular als PDF ist nichts gewonnen. Ein solcher Check stärkt Effizienz und Nutzerfreundlichkeit.

Keine Digitalisierung zum Ausbau von Bürokratie missbrauchen

Digitale Werkzeuge dürfen nicht dazu führen, dass zusätzliche Dokumentationspflichten entstehen. Ein digitaler Prozess muss einfacher als der alte sein. Andernfalls wächst die Belastung weiter. Durch Digitalisierung freiwerdende Ressourcen dürfen nicht zum Aufwuchs neuer Bürokratie missbraucht werden.

Radikal nutzerorientiertes Design

Digitale Lösungen sollten sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren. Klare, intuitive Oberflächen reduzieren Fehler und Nachfragen.

Prototypen von Unternehmen testen lassen

Frühe Tests mit realen Nutzern decken Probleme auf, bevor Systeme großflächig ausgerollt werden. Dadurch wird Funktionalität verbessert und Bürokratie vermieden. Unternehmen liefern wertvolles Feedback aus der Praxis. Der Durchstich des Feedbacks muss sich bis auf die Ebene der Gesetzgebung erstrecken.

Registermodernisierung

Wenn staatliche Register vernetzt und modernisiert werden, entfällt vielfacher Datenaustausch per Formular. Informationen müssen nicht ständig neu angegeben werden. Das minimiert Medienbrüche und Aufwand.

KI zum Bürokratieabbau einsetzen

Künstliche Intelligenz kann helfen, unnötige Regeln zu identifizieren oder Verwaltungsabläufe zu automatisieren. Sie unterstützt sowohl die Gesetzgebung als auch Bearbeitung von Anträgen. Dadurch sinkt der manuelle Aufwand erheblich. Aber: Wie allgemein für die Digitalisierung gilt auch hier, dass Bürokratieursachen nicht mit KI zugedeckt werden dürfen. Nur weil die Bewältigung von unnötiger Bürokratie mit Hilfe von KI einfacher ist, heißt das nicht, dass überflüssige Bürokratie nicht verschwinden muss.

Daten abrufbar machen (z. B. Solid-Pods)

Wenn Bürger ihre Daten kontrolliert bereitstellen können, müssen sie Informationen nicht ständig neu angeben. Das stärkt Datensouveränität und reduziert Formulare. Gleichzeitig verbessert es die Interoperabilität. Standards für solche dezentralen und datensouveränen Lösungen müssen geschaffen werden – Gesetzgebung sollte dies immer mitbedenken und solche Standards mitliefern.

Umsetzung

Experimentierklauseln

Experimentierklauseln erlauben zeitlich begrenzte Abweichungen von Regeln, um neue Lösungen zu testen. Das fördert Innovation ohne vorherige langwierige Gesetzgebung. Erfolgreiche Modelle können später übernommen werden. Fehler werden für eine begrenzte Zeit in Kauf genommen. Evaluation hilft, brauchbare von nicht brauchbaren Lösungen zu unterscheiden.

Fristen verlängern / Frequenzen verringern

Weniger häufige Berichtspflichten reduzieren erheblich den Verwaltungsaufwand. Längere Fristen schaffen Planungssicherheit und entlasten Unternehmen. Behörden können Ressourcen gezielter einsetzen.

One-Stop-Shop

Ein einziger Ansprechpartner reduziert die Notwendigkeit, mehrere Behörden zu kontaktieren. Das beschleunigt Verfahren und verhindert doppelte Dateneingaben. Nutzer erhalten Dienstleistungen aus einer Hand.

Push Government

Proaktive Leistungen ersparen Bürgern aufwändige Anträge. Wenn Behörden Leistungen selbstständig bereitstellen, entfällt viel Bürokratie. Beispiele wie in Österreich zeigen erhebliche Effizienzgewinne.

Once-Only-Prinzip

Daten sollen nur einmal eingereicht werden müssen. Behörden greifen anschließend digital darauf zu. Das verhindert redundante Formulare und beschleunigt Abläufe. Die Registermodernisierung ist dafür eine wesentliche Voraussetzung.

Semantische Interoperabilität

Uneinheitliche Begriffsdefinitionen führen zu Missverständnissen und Mehrarbeit. Wenn Begriffe wie zum Beispiel „Kind“ oder „Einkommen“ überall gleich definiert sind, werden Prozesse klarer und digital leichter umsetzbar. Das verhindert Inkonsistenzen, Doppelarbeit und Verwirrung.

Föderaler Wettbewerb

Bundesländer können innovative Lösungen testen und voneinander lernen. Wettbewerb fördert Effizienz und beschleunigt Verbesserungen. Erfolgreiche Modelle verbreiten sich schneller. Aber: Bundesweit mehr als hundert Fachverfahren zum Beispiel für die Kfz-Anmeldung auf Basis eines Bundesgesetzes sind in hohem Maße ineffizient. Föderaler Wettbewerb sollte sorgsam abgewogen werden gegen die Vorteile von Standards in ausgewählten Anwendungsfällen.

Zentralisierung von Standards

Für bestimmte Bereiche sind einheitliche nationale Standards sinnvoll. Gemeinsame Schnittstellen erleichtern Digitalisierung und reduzieren Koordinationsaufwand.

Evaluation (ex post)

Regelungen sollten regelmäßig auf Wirksamkeit geprüft werden. So werden ineffiziente Vorgaben schneller identifiziert und abgeschafft. Das verhindert eine dauerhafte Anhäufung von Bürokratie.

Ex-post statt Ex-ante-Kontrollen

Kontrollen im Nachhinein vereinfachen viele Prozesse. Antragsteller müssen weniger Dokumente vorab einreichen. Das beschleunigt Genehmigungen und reduziert Aufwand.

Visualisierung / Rule Mapping

Bildliche Darstellungen von Regelzusammenhängen, Abläufen, Bedingungen und Konsequenzen zum Beispiel in Form von Flowcharts oder Prozessdiagrammen machen Komplexität sichtbar und können umständliche juristische Formulierungen mit vielen Schachtelsätzen ersetzen. Dadurch lassen sich unnötige Abhängigkeiten und Widersprüche identifizieren. Die Visualisierung erleichtert die Anwendung und Verbesserung von Regulierung. Die automatische Ableitung von Algorithmen und deren Mitauslieferung im Gesetzblatt setzt diesen Gedanken konsequent fort.

Prozess (Gesetzgebungsverfahren)

Auskömmliche Fristen im Gesetzgebungsverfahren

Mehr Zeit für Abstimmung und Analyse führt zu besseren Gesetzen. Dadurch wird weniger nachjustiert und Bürokratie später vermieden. Qualität verhindert Regelungswucher und Qualität geht vor Quantität.

Kooperative Bürokratiegestaltung

Wenn Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Regeln entwickeln, entstehen praxistaugliche Lösungen. Das erhöht Akzeptanz und senkt unnötige Vorgaben. Kooperation ersetzt realitätsferne Detailregelungen.

Institutionelle Kopplung + Preisschild für administrative Kosten

Regulierer sollten direkt spüren, welche Bürokratiekosten ihre Vorgaben erzeugen. Ein „Preisschild“ erhöht Verantwortungsbewusstsein. Dadurch werden überzogene Anforderungen vermieden. Am besten gelingt dies, wenn Regulierer sich im Rahmen der Regelschaffung eng mit den Regelausführenden abstimmen müssen: ausführende Behörden sind in das Gesetzgebungsverfahren einzubinden.

Zusammenarbeit unterschiedlicher Ressorts & Experten

Interdisziplinäre Zusammenarbeit (Ministerien, Bund, Länder, Kommunen) vermeidet widersprüchliche oder doppelte Regelungen. Expertise aus der Praxis erhöht Umsetzbarkeit.

Praxis-Check (ex ante & ex post)

Praxischecks prüfen die reale Wirkung von Regeln vor und nach Einführung. Das verhindert bürokratische Fehlentwicklungen frühzeitig. Probleme werden sichtbar und können korrigiert werden.

Institutionen

Normenkontrollrat

Der Nationale Normenkontrollrat überprüft neue Regeln auf Bürokratiefolgen. Er schafft Transparenz und wirkt überbordenden Pflichten entgegen. Dadurch wird qualitativ bessere Gesetzgebung gefördert.

Jahres-Bürokratieentlastungsgesetze

Diese Gesetze bündeln regelmäßig Maßnahmen zum Abbau überflüssiger Pflichten. Sie sorgen für kontinuierliche Entbürokratisierung. Ziel ist es, jährlich spürbare Entlastungen für Bürger und Unternehmen zu erzielen.

Quellen:

Blesse, Sebastian, Hoegner, Leon, Necker, Sarah (2024) Steht der Staat sich selbst im Weg? Bürokratie in der Fördermittelvergabe an Kommunen. ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien

ChatGPT (Kurzdarstellung)

Eckhard, Steffen, Zeppelin Universität (Vortrag)

Falck, Oliver, Guo, Yuchen Mo, Pfaffl, Christian (2024) Entgangene Wirtschaftsleistung durch hohen Bürokratieaufwand. ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien

Knill, Christoph, Hinterleitner, Markus, Steinebach, Yves (2024) Produziert die Politik über ihre Verhältnisse? – Bürokratische Überlastung durch Politikakkumulation. ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien

Jennrich, Kathleen, RDin beim Bundesministerium der Finanzen (Vortrag)

Kuhlmann, Sabine, Gerls, Florian (2024) Die Kosten der Bürokratie: Zwischen Messung und Realität. ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien

Kupferschmidt, Frank, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg (Vortrag)

Nationaler Normenkontrollrat (2025) Deutschland muss einfacher werden. Empfehlungen für eine Reformagenda der nächsten Bundesregierung. Nationaler Normenkontrollrat

Nationaler Normenkontrollrat (2024) Jahresbericht 2024. Gute Gesetze. Digitale Verwaltung. Weniger Bürokratie. Momentum nutzen, Wirkung steigern. Nationaler Normenkontrollrat

Schmidt, Klaus M. (2024) Ergebnisorientierte Bürokratie gestalten. ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien

Stiftung Familienunternehmen (2023) Regulatorische und finanzielle Belastungen durch EU-Gesetzgebung in vier Mitgliedstaaten –  Lessons learned – Ansätze zur Bürokratieentlastung. Stiftung Familienunternehmen

von Lucke, Jörn, Zeppelin Universität (Vortrag)

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) (2025) Bürokratieabbau und ergebnisorientiertes Verwaltungshandeln

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) (2022) Menschenrechte und unternehmerische Sorgfaltspflichten

Zehetmayer, Matthias, Hochschule der Medien (Vortrag)